Wir klammern uns an die Nicht-Nachhaltigkeit, verspielen damit lieber die Zukunft unserer Kinder, Enkel und Ur-Enkel, als unsere Bequemlichkeit, Komfortzone und Wohlstand aufzugeben. Mit Ändern fängt Geschichte an.

» […] Ein Virus hat die Artgrenze übersprungen und verbreitet sich nun wie ein Lauffeuer durch seinen neuen Wirt. Normalerweise bremsen Gebirge, Meere, Schluchten oder andere Landformen solche Ausbrüche. Doch bei Sars-CoV-2 handelt es sich um ein Virus, das sich auf die Körper einer kosmopolitische Art gestürzt hat: eine hochmobile, individuenreiche und supervernetzte globale Art, den Menschen, der alle vormals existierenden Grenzen gesprengt hat.
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Nicht nur Viren breiten sich aus. Länder werden überflutet, Wälder brennen, Gletscher schmelzen, Ozeane erwärmen sich und Insekten sterben. Wir schauen zu wenig auf die Tatsache, dass ein überhebliches Mensch-Natur-Verhältnis viele unserer Probleme befeuert, meist sogar verursacht.
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Aktuell sehen wir uns Menschen als Herren der Erde. Wir üben Verfügungsgewalt aus.

Wir nehmen uns, was wir wollen
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Wir machen alle so weiter wie bisher – nehmen uns, was wir wollen […] Dass das Naturgefüge aus den Fugen geraten ist […] nehmen wir zwar zur Kenntnis – aber ändern  wollen wir […] nichts Grundlegendes.
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Seit Jahrzehnten zögern Politiker biodiversitäts- und klimafreundliche Entscheidungen heraus. […] Wenn Gefahr im Verzug ist, sind schnelle und konsequente Maßnahmen möglich.
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[Der] Klimawandel […] ist die größte gesundheitliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Ungebremst wird er insbesondere ein gesundes Aufwachsen aller Kinder, die heute geboren werden, gefährden. Sie werden unter der Zunahme von Infektionskrankheiten leiden, die Luftverschmutzung wird ihr Leben ebenso verkürzen wie zunehmende Hitzewellen, Überschwemmungen, Waldbrände oder Dürren.
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Maßnahmen gegen den illegalen Handel mit Wildtieren durchzusetzen, ist genauso möglich, wie die natürlichen Ressourcen zum Wohle aller Menschen zu nutzen und dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Die Technik ist da, allein es mangelt am Willen, gemeinschaftlich zu handeln.

Das Wirtschafts- und Wertesystem, das auf der Ausbeutung der Natur, ihrer nicht-nachhaltigen Nutzung beruht, wird scheitern. […] wir müssen neu definieren, wie wir uns zur Natur stellen. Es ist an Zeit zu begreifen, der Mensch ist und bleibt Teil der Natur und ist für sein Überleben elementar auf sie angewiesen. Wir brauchen einen Wertewandel – für Natur.

Eine vielfältige und funktionierende Umwelt […] muss als globales Gemeingut von einer gut informierten globalen demokratischen Wissensgesellschaft regiert werden. Zu erkennen, was uns in der Natur aus welchen Gründen zur Gefahr wird und wie wir sie als unser gemeinsames Erbe erhalten und ihre lebenserhaltenden Systeme sichern können, ist eine enorme Herausforderung.
[…] «

Johannes Vogel [ist Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin – Leibniz Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin]  ::  DER TAGESSPIEGEL  ::  24.03.2020  ::  Artensterben und Naturzerstörung: Dieses Virus ist auch der Preis unserer Ausbeutung der Natur  ::  https://www.tagesspiegel.de/politik/artensterben-und-naturzerstoerung-dieses-virus-ist-auch-der-preis-unserer-ausbeutung-der-natur/25676216.html


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6 Antworten zu Wir klammern uns an die Nicht-Nachhaltigkeit, verspielen damit lieber die Zukunft unserer Kinder, Enkel und Ur-Enkel, als unsere Bequemlichkeit, Komfortzone und Wohlstand aufzugeben. Mit Ändern fängt Geschichte an.

  1. Sybille Lengauer schreibt:

    Mich ärgert ganz furchtbar der verdrehte Fatalismus, mit dem viele diesem Thema begegnen. Da werden Ausreden gefunden, die man bei seinen Kindern nie zulassen würde (warum soll ich mich einschränken, wenn der Chinese es nicht tut…) und, ganz schlimm, dieses „Der Mensch hat den Untergang ja verdient“ – von Leuten, die Enkelkinder haben! Diese Enkel nehmen sie dann aber aus der Rechnung raus, sprich der Mensch kann gerne untergehen – außer ich und meinesgleichen. Fürchterlich.

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    • Genau: deshalb geht es – neben den Einsichtigen und vorausschauend Handelnden – nur mit staatlichen Zwangsmaßnahmen. Dazu braucht es wieder PolitikerInnen. Nur solche sind in der Lage, das Erforderliche unverzüglich umzusetzen – gegen den Mainstream – UND es den Menschen so zu erklären, dass sie es verstehen und mindestens tolerieren. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Regierung Brandt in den 1970er Jahren eine Debatte geführt hat, ob Sonntagsfahrverbote denn überhaupt von einer Mehrheit gewollt wären. »Helmut Schmidt kommentierte die Sonntagsfahrverbote während der Ölkrise folgendermaßen: „Damit das deutsche Volk begreifen sollte, was passiert war, haben wir damals diese autofreien Sonntage auf der Autobahn verordnet. Nicht um Öl zu sparen, das war ein Nebeneffekt. Der eigentliche Zweck dieser Übung war, den Menschen klar zu machen: Dies ist eine ernste Situation.“« Heute schaffen die Gewählten und vom Bundestag Gewählten es noch nicht einmal, die Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen (130) als Höchstgeschwindigkeit durchzusetzen. Korrumpiert vom Wohlstand und der Angst diesen zu verlieren, sehe ich niemanden, der in der Lage ist, das Erforderliche unverzüglich zu tun oder zu fordern. Einzig die Kinder haben den Ernst der Lage verstanden, sie haben mehr zu verlieren als nur ihre Vermögenswerte. Deshalb bin ich ebenfalls pessimistisch; die Erde wird sich des größten Parasiten entledigen und ich verstehe nicht, warum Menschen Kinder in diese Welt setzen. Ich habe mich mit ca. 15 bereits entschlossen, keine leiblichen Kinder in diese Welt zu setzen, stattdessen Kinder zu adoptieren oder in dauerhafte Pflege zu nehmen; es gelang bei Dreien.

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  2. Annuschka schreibt:

    Und in dieser Situation fabulieren Milliardäre über künftigen Weltall-Tourismus. Krank, einfach nur krank!
    Übrigens schrieb schon Mitte der 70er Jahre ein CDU-Mitglied(!), Herbert Gruhl (Baujahr 1921), ein Buch zu dem Thema: „Ein Planet wird geplündert“. Als Reaktion wurde er seinen Posten als Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Umweltvorsorge der CDU los…
    Und begann seine Odyssee samt Schlingerkurs durch die Parteienlandschaft, da er sich mit seinen Anliegen nirgends mehr dauerhaft zuhause fühlte.

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    • Ja, danke für die Erinnerung. Erinnert sei auch an Horst Stern, der u.a. Anfang der 1980er Jahre in seiner Zeitschrift NATUR die Finger in alle Wunden legte und sogar ausführlich Lösungsideen vorstellte. Sie alle wurden mundtot gemacht. Zum mundtot Machen gehört auch, an die Fundis innerhalb der GRÜNEN zu erinnern, die sich Radikal-Ökologen nannten. Nach dem die sogenannten Realos die Fundis aus der Partei geekelt haben, stehen die GRÜNEN für kriegerischer Auseinandersetzungen in der Welt und fürs Verschleppen von ökologischen Themen. Die GRÜNEN sind ebensowenig ökologisch, wie die Sozialdemokraten sozial, die Christdemokraten christlich, die Freien Demokraten liberal, die Linken links und die AfD alternativ ist. Sie sind alle Teil einer neoliberalen Soße, die für die Ausbeutung der Erde stehen und die Demokratie zerstören, weil sie für sie nur noch Fassade in Kulissen darstellt.

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  3. wildgans schreibt:

    Und wieder: Man kriegt Himmelherrgottsangst. –

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    • Gegen diese Angst hilft: neue Wege beschreiten, z.B. bei der Bundestagswahl nicht mehr die wählen, die schon immer im Bundestag hocken, sondern eine der kleinen Parteien, die das unverzügliche Handeln des Erforderlichen versprechen. Es braucht eine Allparteienkoalition, die den entfesselten Kapitalismus an die Kette legt und endlich wieder eigene Ziele formuliert und mit deren Erreichung unverzüglich beginnt.

      Heute Morgen schreibt die Frankfurter Rundschau zum falsch berechneten Stromverbrauch der Bundesregierung: „Was der CDU-Minister [Altmaier] nun auf den Tisch legt, hätte schon vor Jahren auf den Weg gebracht werden müssen. Insbesondere ein Konzept, das mehr Flächen für Windräder schafft. Sowie ein Plan, der die Photovoltaik auf und an Gebäuden vorwärtsbringt. Wertvolle Zeit im Wettlauf gegen die Erderwärmung ist verloren gegangen. Um ein Vielfaches mühsamer und teurer wird es nun, das Versäumte nachzuholen“

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