„Komm zu mir. Ich leg den Kopf in deine Hand.“

» Du kannst mich jetzt an meinem Fenster sehn. Ich laufe hier wie irr‘ herum und rauch‘ die zehnte Zigarette innerhalb der halben Stunde, die mir bleibt, bis mich das Licht vertreibt.

Ich sitze drin und tippe stumm ständig auf dem blöden Ding herum – gesund ist das nicht – innerhalb der halben Stunde, die mir bleibt, bis mich das Licht vertreibt.

Komm zu mir; wo ich wohne, ist bekannt. Komm zu mir. Ich starre Löcher in die Wand. Komm zu mir. Ich leg den Kopf in deine Hand, in der Stunde, die uns bleibt, bis uns das Licht vertreibt.

Du hörst mich nachts über Dielen gehn.

Komm zu mir. Wie ich lebe, ist bekannt. Komm zu mir. Ich taste mich entlang der Wand. Komm zu mir. «

Tocotronic
Bis uns das Licht vertreibt


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„Und dann kommen sie langsam näher, im Schattenreich von Notbehausung Suppenküchen, Kleiderkammern, Flaschensammlern.“

» Selbsterhalt im Graben
Das Leben hier im Fluss
Chancen gleich für alle
Als Idealkonstrukt
Ein paar Gießkannenspenden später
Ein Gewissen stellt sich quer
Schaufelt kleine Groschengräber
Und dann kommen sie langsam näher
Im Schattenreich von Notbehausung
Suppenküchen, Kleiderkammern, Flaschensammlern

Trotz Missgunstblick und Neid
Hier kommt unser Mitleid

Und dann feiern wir ganz alleine
Oh, Mama hat Langeweile
Und wir schmeißen, was wir haben
Scheine in den Graben

Und dann fühlen wir so das Leben
Kinder teilt, lernt zu geben
Wir haben getan, was wir konnten
Empathie most wanted

Scheine in den Graben
Getan, was wir konnten
Most wanted
Wir schmeißen, was wir haben
Most wanted
Scheine in den Graben
Scheine in den Graben
Scheine in den Graben

Mutter hat zu tun daheim
Den sozialen Frieden retten
Kann ein wirklich
Schönes Hobby sein
Die sanften Stiftungswesen
Schweben durch den
Wald von Charity davon
Im Spendenmarathon
Und die Armee der elitären Philanthropen
Hat die Mont Blanc Füller gezogen

Trotz Missgunstblick und Neid
Hier kommt das Mitleid

Und dann feiern wir ganz alleine
Oh, Mama hat Langeweile
Und wir schmeißen, was wir haben
Scheine in den Graben

Und dann fühlen wir so das Leben
Kinder teilt, lernt zu geben
Wir haben getan, was wir konnten
Empathie most wanted

Scheine in den Graben
Getan, was wir konnten
Most wanted
Wir schmeißen, was wir haben
Most wanted
Scheine in den Graben
Is this Classwar?

Genauer betrachtet
Und siehe so melden
Sich durchweg nur Helden
In wandelndem Schauer
Mit ernsten Gefühlen
Kann weiteres Mitleid
Erblühen
Es bilden sich Kronen
Die werden in Fülle
Die Wohltäter lohnen
In wohliger Stille
Schaut nicht so schuldig
So zutiefst betroffen
Auch wir sind mit euch
Ihr könnt also hoffen

Und dann feiern wir ganz alleine
Oh, Mama hat Langeweile
Und wir schmeißen, was wir haben
Scheine in den Graben

Und dann fühlen wir so das Leben
Kinder teilt, lernt zu geben
Wir haben getan, was wir konnten
Empathie most wanted «

Kettcar
Scheine in den Graben


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Letzte Ausfahrt Pellkartoffel.

Während er jeden Abend sein Billig-Fleisch in sich verschlang, mit Bier hinunterspülte und sein Schmerbauch immer voluminöser wurde, diätete sie.

abc.etüden | Tulpenzwiebel, kurzweilig, auferstehen

abc.etüden | Tulpenzwiebel, kurzweilig, auferstehen

„Na, was zeigte die Autowaage an?“, „Im Spiegel siehst du doch nur noch die Hälfte deines Körpers.“ oder „Kannst du dich in der Dusche überhaupt noch bewegen?“, waren die netteren anzüglichen Bemerkungen.

Ja, nach dem vierten Kind nach Gang und dem anschließenden jahrelangen Stress mit Kindern, Haushalt, knapper Haushaltskasse und arbeitslosem Mann, hatte sie sich nahezu verdreifacht.

Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, fing er an, sie allumfassend zu bevormunden: wann sie das Haus verlassen durfte und wieder zurück sein sollte, wieviel Geld sie ausgeben durfte und was sie kochen sollte, wann sie still sein musste und was im Fernsehen geschaut wurde, ob und wie lange sie telefonieren durfte und wann er sich auf sie legte.

Von den Schreien und Narben ihrer Mutter hatte sie gelernt, den Mund zu halten, es auszuhalten, es zu ertragen.

Doch sie wollte etwas verändern und fand, abzunehmen, sei für den Anfang das Leichteste.
Ein Fünftel ihres Übergewichtes hatte sie schon verloren.
Mit dem Gewicht änderten sich auch die Beleidigungen: „Ah, es erscheint: Miss Twiggy.“, „Jetzt kommen alle deine Falten mal richtig zur Geltung.“ oder „Bald spüre ich dich ja gar nicht mehr, wenn ich auf dir liege.“.

Wieder einmal war er volltrunken auf ihr eingeschlafen und blies ihr seine Fahne ins Gesicht – da vergegenwärtigten sich alle Erniedrigungen und trieben sie an.

Sie hob ihr Becken, er rollte zur Seite und blieb rücklings liegen, holte aus der Küche die Schüssel mit den übrig gebliebenen Kartoffeln, es gab vorhin Pellkartoffeln; wieder im Schlafzimmer, kniete sie sich auf seinen Brustkorb, stopfte ihm eine Kartoffel nach der anderen in den Mund, Schlund, Speiseröhre und presste ihn solange in die durchgelegene Matratze, bis er nicht mehr zuckte.

 

Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/04/21/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-17-18-19-wortspende-von-agnes-podczeck/

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»Der Mensch soll also wohl an beiden reifen.«

» Ohne Leiden bildet sich kein Charakter, ohne Vergnügen kein Geist. «

Ernst Freiherr von Feuchtersleben


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„Et si tu veux que je ferme les yeux … Reste libre de tout donner.“

» Hängen Sie ein paar Belohnungen für mich auf.
Sperrt mich in Schweigen.
Auch im Winter
Bei Gegenwind
Ich bin frei, alles zu geben, was ich habe.

Du kannst mich davon abhalten, alles zu nehmen.
Du kannst mich dazu bringen, mich selbst zu verkaufen.
Trotz des Winters
Und im Gegenteil
Ich bin frei, alles zu geben, was ich habe.

Trotz des Winters
Bis zum Beweis des Gegenteils
Ich bin frei, alles zu geben, was ich habe.

Und wenn du willst.
Dass ich meine Augen schließe.
Bleibe frei, alles zu geben. «

Calogero
L’Européen


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«Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen»

» […] Wer die Gegenwart verstehen will, werfe einen Blick in den «Weltreport über Ungleichheit». Eine internationale ForscherInnengruppe um den französischen Ökonomen Thomas Piketty warnt darin vor politischen und sozialen Katastrophen. Dabei sind diese längst im Gang.
… | …
Heute […] ist die soziale Kluft in Deutschland wieder genauso gross wie kurz vor dem Ersten Weltkrieg.
… | …
Setzt sich dieser nämlich den vergangenen vier Jahrzehnten entsprechend fort, werden im Jahr 2050 die reichsten 0,1 Prozent der Menschheit mehr als ein Viertel des Weltvermögens besitzen. Dabei leben selbst im reichen Norden jetzt schon immer mehr Menschen in prekären Verhältnissen. Die ÖkonomInnen warnen im «Weltreport» daher, dass die steigende Ungleichheit zu «sozialen und politischen Katastrophen» führen werde.
… | …
Die liberalen Demokratien sowohl in den USA als auch in Europa sind bedrohlich ins Wanken geraten, was die internationale Situation zunehmend explosiv macht.
… | …
Die Krise im Globalen Norden äussert sich gleichermassen in der Zunahme sozialer Ungleichheit und dem Vormarsch der autoritären Rechten: Es sind zwei Seiten derselben Medaille.
… | …
Ende der siebziger Jahre begann der internationale Siegeszug des Neoliberalismus und damit der Rückbau der Sozialstaaten, die in den westlichen Gesellschaften nach dem Zweiten Weltkrieg für materiellen Ausgleich zwischen den Klassen und damit für politische Stabilität sorgen sollten.
… | …
Eine bis heute gängige, aber dennoch falsche Behauptung [dass von Steuersenkungen für Kapital und Vermögende letztlich alle etwas hätten, weil dies Wachstum und damit neuen Reichtum generiere, der mittelfristig von oben nach unten durchsickern würde], wie der «Weltreport» eindrücklich belegt.
… | …
Durch die politisch vorangetriebene Liberalisierung der Märkte konnte sich das Kapital leichter über Landesgrenzen hinweg bewegen – und der Wettbewerb machte die Nationalstaaten erpressbar. In der Konsequenz wurde der Demos («Staatsvolk») unter Verweis auf ökonomische Sachzwänge zunehmend entmachtet. Offenkundig schuf genau diese Konstellation die Bedingungen, unter denen die RechtspopulistInnen ihren Siegeszug antreten konnten.
… | …
Dass von der wachsenden Ungleichheit und der demokratischen Repräsentationskrise vor allem autoritäre und nicht linke Bewegungen profitieren, zeigt auf, dass es der Rechten gelungen ist, mit einer Gegenwartsbeschreibung Gehör zu finden, die die sozialen Widersprüche externalisiert: Die Front verläuft dann nicht zwischen «oben» und «unten», sondern zwischen «drinnen» und «draussen», also zwischen der eigenen, «nationalen Gemeinschaft» und dem «Fremden».
… | …
Bemerkenswert ist daher vor allem, dass sich die fortwährende Debatte über Nationalismus und Rechtspopulismus nicht gerade dadurch auszeichnet, dass deren materielle Ursachen thematisiert würden.
… | …
die obsessive öffentliche Beachtung rechtspopulistischer Botschaften [spielt] deren WortführerInnen offenkundig in die Hände […]
… | …
Dass es den Autoritären […] gelingt, eine Gesellschaft zu polarisieren, hat […] den einfachen Grund, dass diese tatsächlich sozialen Sprengstoff birgt.
… | …
Statt von den Attacken zu sprechen, die seit Jahrzehnten von oben gegen unten geführt werden, führt die Reise geradewegs in Richtung «Kampf der Kulturen». […] «

Daniel Hackbarth | WOZ | 21.12.2017 | Ungleich geht die Welt zugrunde – ZUM ZUSTAND DER GEGENWART | https://www.woz.ch/-8481

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„Time to do my thing.“

» Ich bin spät dran, da ist niemand, den ich sehen kann.
Sie sind gegangen und haben den Schauplatz für mich zurückgelassen.

Es gibt wenig auf den Knochen, nur etwas Staub und Steine.
Nichts, was niemand besitzt.
Sie trugen, was sie konnten, sie sagten mir, was gut war.
Und sind weg

Ich schwebe hier am Himmel
Ich schätze den Moment, um anzukommen

Zeit, den Boden zu berühren, Zeit, um herumzulaufen.
Zeit, mein Ding zu machen.
Iss nur, was ich esse, atme nur, was ich atme.
Und dann gehen wir.

Zeit für einen Rundgang, Zeit für den Bodenkontakt
Zeit, mein Ding zu machen.
Iss nur, was ich esse, atme nur, was ich atme.
Nun, das bin ich. «

Robert Forster
One Bird in the Sky


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